«Little Big Five» vom Greifensee – nomadische Männchen

von Sandra Julius

Unser quirligstes «Little Big Five»-Tier ist im Moment besonders flink unterwegs. Bei den Hermelinen ist Paarungszeit und die Hermelin-Männchen verlassen in dieser Zeit ihr angestammtes Revier und begeben sich auf Wanderschaft, um ein paarungswilliges Weibchen zu finden.

«Flink wie ein Wiesel» trifft auf die Hermelin-Männchen in der Zeit von April bis Juni besonders zu. Es ist Paarungszeit bei den kleinen Mäusefängern und die Männchen verlassen ihr Revier, in dem sie einzelgängerisch leben. Rastlos wandern sie auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen weit umher. Denn die Suche nach Weibchen ist nicht ganz einfach. Die Reviere der Mutterfamilien liegen oft weit auseinander und die Männchen sind für ihre Wanderung auf deckungsreiche, vernetzte Landschaften mit genügend Hecken, Ast- und Steinhaufen, Altgrasstreifen oder Gräben angewiesen.

In vielen Landstrichen werden Hermeline immer seltener, weil ihnen diese vielfältigen Kleinstrukturen in unseren Kulturlandschaften fehlen. Mit ihnen verschwinden auch andere Tiere, die auf strukturreiche Landschaften angewiesen sind, wie zum Beispiel der selten gewordene Feldhase oder die gefährdete Zauneidechse.

Haben die Männchen eine Mutterfamilie gefunden, werden meistens gleich alle weiblichen Tiere gedeckt. Denn die weiblichen Tiere sind bei den Hermelinen bereits kurz nach der Geburt, im Alter von drei Wochen geschlechtsreif. Ausserdem sind die erwachsenen Weibchen noch während sie säugen schon wieder paarungsbereit. Diese Besonderheit geht damit einher, dass die befruchteten Eizellen der Weibchen eine Pause einlegen, eine sogenannte Keimruhe. Erst im frühen Frühling geht die Entwicklung der Embryos weiter und die Jungen kommen zwischen April und Mai, wenn es schon wieder wärmer ist, auf die Welt.

Während die Hermeline im Winter in ihrem weissen Fell sehr gut auf schneefreien Flächen zu erkennen sind, braucht man im Sommer einiges mehr Glück und Geduld, um die schnellen Beutegreifer zu entdecken. In ihrem Sommergewand mit brauner Oberseite und weisser Brust und Bauchunterseite sind sie gut an ihre Umgebung angepasst. Insbesondere Begegnungen mit einer Hermelin-Mutterfamilie sind seltene Glücksfälle, aber wer weiss, vielleicht haben Sie Glück und erspähen auf einem Greifensee-Spaziergang in der nächsten Zeit eine Hermelin-Mutter mit ihrem Nachwuchs. Am grössten sind die Chancen, wenn Sie die in den Schutzgebieten und von vielen Gemeinden rund um den See geförderten Kleinstrukturen wie Hecken, Altgrasstreifen oder Gräben im Blick behalten. Viel Erfolg!

PS: Am Mittwoch, 12. Juni findet in der Naturstation Silberweide eine kostenlose Familien-Führung statt, wo Sie und Ihre Kinder Hermelin, Habentaucher und Co. spielerisch kennenlernen können. Kurzentschlossene können sich noch bis am 11. Juni anmelden: https://www.greifensee-stiftung.ch/veranstaltung/little-big-five-familien-fuehrung

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