Das Ried – wichtiger, aber gefährdeter Lebensraum
Das Ried oder Flachmoor ist einer der wichtigsten Lebensräume am Greifensee. In den Sumpfgebieten rund um den See finden unzählige seltene Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause – die Sibirische Schwertlilie etwa oder die Bekassine.
Ein Lebensraum verschwindet
Warum sind die Riedgebiete am Greifensee so wichtig und bieten so vielen seltenen Arten einen Lebensraum? Die Riede selbst sind es, die gefährdet sind. Bedeckten sie einst noch grosse Teile des Mittellandes – unzählige Flurnamen wie Riedgraben, Riedhof, Riedmatt etc. zeugen davon – stellen sie heute eine Seltenheit dar. Auch die Riedflächen am Greifensee sind im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen. Dennoch gehören die Riede am oberen und unteren Greifensee zu den grössten zusammenhängenden Riedflächen im Kanton Zürich, und nur auf grossen Flächen haben seltene Vögel wie Bekassine oder Kiebitz genügend Platz um zu brüten.
Viele Riedflächen sind im Verlauf des letzten Jahrhunderts verschwunden. Die meisten Riedgebiete wurden trocken gelegt, um sie intensiver bewirtschaften zu können oder Bauland zu gewinnen. Ein Ried wirft viel weniger Ertrag ab als ein intensiv gedüngter – artenarmer – Acker, wie er heute in der Landwirtschaft üblich ist. Kein Bauer könnte es sich finanziell noch leisten, ein Ried zu bewirtschaften – mit Direktzahlungen von Bund und Kanton wird den Landwirten dafür heute einen Anreiz geschaffen.

Ein Ried braucht Pflege
Was macht die Bewirtschaftung eines Rieds für die Bauern so unattraktiv?
- Ein Ried darf nur einmal im Jahr, im Spätsommer, gemäht werden – viele der schnittempfindlichen Riedpflanzen sterben sonst ab
- Das Schnittgut muss vollständig aus dem Ried entfernt werden, um zu verhindern, dass zu viele Nährstoffe in den Boden gelangen
- Entfernt man Bäume und Büsche nicht regelmässig aus dem Ried, verwaldet es mit der Zeit
- Der feuchte Untergrund erschwert die Arbeit im Ried ganz generell
- Das gemähte Riedgras kann einzig als Einstreu im Stall verwendet werden – eingekauftes Stroh ist jedoch viel billiger
Arten, Arten, Arten!
Was das Ried als Lebensraum so wertvoll macht, ist seine grosse Artenvielfalt. Der saure Boden im Ried dient seltenen Arten wie der Sibirischen Schwertlilie, dem Sonnentau und dem Lungenenzian (links) als Lebensgrundlage.
Wo Pflanzen sind, da sind auch Insekten. Relativ gut erforscht sind hier vor allem die Libellen. Deren Zahl ist im Laufe der Jahre stark zurück gegangen. Seltene Arten wie die Gebänderte Prachtlibelle oder die Zwerglibelle sind heute am See ausgestorben. Dennoch findet man noch Raritäten wie die Gemeine Keiljungfer.
Wo Insekten sind, da sind auch Vögel. Sie lassen sich das reichhaltige Insektenangebot im Ried schmecken und finden darin auch Schutz vor Feinden und Brutplätze. Typische Riedbewohner sind der Kiebitz, der Zwergreiher oder die Bekassine.






