Entstehung und Entwicklung des Greifensee-Gebiets

Vom heutigen Dübendorf bis Grüningen erstreckte sich vor über 12'000 Jahren der Ur-Greifensee. Sein Becken war nach der letzten Eiszeit durch die Gletscher in die Landschaft hineingefräst worden. Der Seespiegel lag damals noch 20 Meter höher als heute, senkte sich jedoch in den folgenden rund 10'000 Jahren kontinuierlich ab. In der Zeit nach der Eiszeit bildeten sich an der Mündung der Ustermer und Mönchaltorfer Aa sowie des Maurmer Dorfbachs Deltas, die dem Greifensee seine heutige, fischähnliche Form gegeben haben.

Vom Menschen geprägt

Um 4000 vor Christus siedelten sich die ersten Menschen am Greifensee an. Sie trafen auf ein Gebiet, das von Buchenwäldern geprägt war, ausser den sumpfigen Seeufern, an denen sich Pfahlbauer ansiedelten. Die Menschen begannen durch Rodungen, Ackerbau und Viehzucht die Landschaft mehr und mehr zu prägen.

Einschneidende Änderungen im Landschaftsbild vollzogen aber erst die Alemannen ab 500 n. Chr. Ihre Siedlungen verdrängten den Wald mehr und mehr auf Kosten von Weide- und Ackerflächen. Die Gegend wurde zur Kulturlandschaft. Dem See selbst kam eine wichtige Rolle als Fischereigewässer zu.

Ab dem 18. Jahrhundert begannen die Menschen damit, die Riedgebiete zu nutzen: Teile des Rieds wurden trockengelegt um Weide- und Ackerland zu gewinnen, andere Teile wurden zur Torfgewinnung oder zum Kartoffel- und Gemüsebau eingesetzt. Im 19. Jahrhundert führte eine Strohknappheit zu vermehrter Nutzung der Riedgebiete zur Gewinnung von Einstreu. Diese extensive Nutzung förderte die Artenvielfalt.

Ende des 19. Jahrhunderts erreichte der Greifensee seinen heutigen Seespiegel von 435 m.ü.M. Diese letzte Senkung des Seespiegels war jedoch menschgemacht: Sie wurde durch die Korrektur der Glatt herbeigeführt. Am oberen und unteren Greifensee wurde Land, was vorher See war – es entstanden ausgedehnte Feuchtgebiete, von denen weite Teile aber trockengelegt wurden, um zusätzlichen Kultur- und Siedlungsraum zu schaffen. Die grossen Riedgebiete am oberen und unteren Greifensee sind Überbleibsel dieser nach der Glattkorrektur entstandenen Feuchtgebiete; ihre hohe ökologische Qualität haben sie aber oft nur durch gezielte Renaturierungen wieder erhalten.

Schutz und Nutzung des Sees

Im 20. Jahrhundert explodierte die Bevölkerung im Greifenseegebiet geradezu: Die Greifenseegemeinden wuchsen um das Fünffache – eine Folge der fortschreitenden Industrialisierung, vor allem aber der besseren Verkehrswege. Mit der Bevölkerungszunahme entwickelte sich der Greifensee immer mehr zum Naherholungsgebiet: Es wurden Badeanstalten gebaut, das Wegnetz erweitert, und die ersten Freizeitschiffe verkehrten auf dem See.

Parallel zur Freizeitnutzung wurde im 20. Jahrhundert aber auch der Schutz des Greifensees ein Thema. Schon im ersten Drittel des Jahrhunderts wurden weite Teile des Rieds am unteren Greifensee unter Schutz gestellt. 1941 wurde die erste Greifensee-Schutzverordnung erlassen – die Grundlage für die jetzige Schutzverordnung, die 1994 in Kraft trat. 1997 wurde die Greifensee-Stiftung gegründet. Trotz der Schutzbemühungen reduzierte sich im 20. Jahrhundert der Bestand vieler empfindlicher Arten am See – einige verschwanden sogar ganz. Verschiedene Konflikte und Probleme sind dafür die Ursache.

Weitere Informationen

Hier finden Sie eine ausführliche Dokumentation zur Geschichte des Greifensees als PDF-Datei zum Downloaden.

Das Buch «Der Greifensee» kann beim Verband zum Schutz des Greifensees kostenlos bestellt werden. Es dokumentiert auf über 70 Seiten die Geschichte des Sees von der Urzeit bis zur Planung der aktuell gültigen Schutzverordnung.